Was ist ein
BEP?

Der BIM Execution Plan – kurz BEP – ist das zentrale Steuerungsdokument jedes BIM-Projekts. Er legt fest, wie, womit und von wem BIM im Projekt umgesetzt wird.

ISO 19650 BIM Abwicklungsplan BEP / BAP pre- & post-contract
Architekt mit Gebäudeplänen
BIM Modell am Bildschirm Teammeeting Planung

→ Ohne BEP kein koordiniertes BIM-Projekt

Der Plan hinter
dem Modell

Der BEP definiert die Spielregeln: Wer liefert was, wann, in welchem Format und in welcher Qualität.

— ISO 19650-2, sinngemäß

Ein BIM-Projekt ohne BEP gleicht einer Baustelle ohne Bauleitung: Jeder arbeitet nach eigenem Gutdünken, die Modelle passen nicht zusammen, Daten fehlen oder sind falsch strukturiert. Der BEP schafft die verbindliche Grundlage für alle Beteiligten.

  • Legt Verantwortlichkeiten und Rollen klar fest
  • Definiert Lieferobjekte, Formate und Terminplan
  • Regelt die Nutzung der gemeinsamen Datenumgebung (CDE)
  • Bestimmt LOD/LOIN pro Leistungsphase
  • Sichert Qualität durch definierte Prüfprozesse
  • Bildet die Basis für Verträge und Vergabe

✏︎ Skizze: BEP im Überblick

BEP Auftrag- geber Archi- tekt TGA Fachpl. Trag- werk CDE Plattform Hand- werker alle reden dieselbe Sprache →

Die 3 BEP-Phasen

Ein BEP wird nicht einmal erstellt und vergessen – er entwickelt sich mit dem Projekt.

Ausgangs-BEP vom Auftraggeber vor Ausschreibung Angebot Angebots-BEP vom Auftragnehmer als Reaktion Vergabe Realisierungs-BEP nach Vertragsschluss → verbindlich!
01
Ausgangs-BEP
Pre-Contract – vom Auftraggeber

Der Auftraggeber formuliert seine BIM-Anforderungen: Was soll das Modell leisten? Welche Informationen werden benötigt? Welche Standards gelten? Dieser BEP wird vor der Ausschreibung erstellt und geht als Anlage in die Leistungsbeschreibung ein.

02
Angebots-BEP
Pre-Contract – vom Bieter

Der Auftragnehmer antwortet auf den Ausgangs-BEP: Wie erfüllen wir die Anforderungen? Welche Software setzen wir ein? Wer übernimmt welche Rolle? Dieser BEP ist Teil des Angebots und kann entscheidend für die Vergabe sein.

03
Realisierungs-BEP
Post-Contract – verbindlich!

Nach Vertragsschluss wird der endgültige BEP gemeinsam erarbeitet und festgeschrieben. Er ist das verbindliche Steuerungsdokument für alle Projektbeteiligten – Änderungen nur mit gegenseitiger Zustimmung. Wird projektbegleitend aktualisiert.

Was steht drin?

Ein vollständiger BEP deckt alle wesentlichen Aspekte des BIM-Projekts ab – von der Teamstruktur bis zur Namenskonvention. Diese 10 Kapitel sind nach ISO 19650 der anerkannte Standard.

✏︎ typische BEP-Struktur

BIM Execution Plan 01 Projektinformationen & Ziele 02 Teamstruktur & Rollen 03 BIM-Ziele & Anwendungsfälle 04 CDE & Informationslieferungen 05 Koordination & Clash Detection 06 Software & Versionen 07 LOD / LOIN Definitionen 08 Namenskonvention & Dateistruktur 09 Qualitätssicherung lebendiges Dokument
01

Projektinformationen & Ziele

Projektname, Standort, Größe, Nutzung und die übergeordneten BIM-Ziele des Bauherrn. Warum wird BIM eingesetzt?

02

Teamstruktur & Rollen

Organigramm mit BIM-Koordinatoren, BIM-Manager, Fachplaner und deren Zuständigkeiten. Wer hat das letzte Wort?

03

BIM-Ziele & Anwendungsfälle

Welche BIM Use Cases werden im Projekt umgesetzt? Kostenkalkulation, Planung, Mengenermittlung, FM-Übergabe?

04

CDE & Informationslieferungen

Welche Plattform dient als gemeinsame Datenumgebung? Revizto, BIMcollab, ACC, Trimble Connect? Wann wird geliefert?

05

Koordination & Clash Detection

Häufigkeit der Modellzusammenführung, zuständige Person, Toleranzen, Umgang mit gefundenen Clashes.

06

Software & Versionen

Revit 2024? ArchiCAD 27? IFC 4? Alle eingesetzten Programme mit Versionsnummer – damit Dateien kompatibel bleiben.

07

LOD / LOIN Definitionen

Level of Detail und Level of Information Needs pro Bauteilkategorie und Leistungsphase. Was muss wann modelliert sein?

08

Namenskonvention & Dateistruktur

Einheitliche Benennung von Dateien, Ebenen, Räumen und Parametern. Klingt trivial – ist aber entscheidend für Automatisierung.

09

Qualitätssicherung

Prüfroutinen, Werkzeuge (Solibri, Navisworks) und Verantwortlichkeiten für die Modellqualität. Wann gilt ein Modell als „geliefert"?

10

Schulung & Kommunikation

BIM-Kick-off, regelmäßige Koordinationsmeetings, Schulungsbedarf und Eskalationspfade bei Problemen.

BEP in der Praxis

Von der ersten Skizze bis zur Übergabe – der BEP begleitet jede Phase.

Architekt mit Planunterlagen
Planung & Koordination
Baustelle
Baustelle
Team-Meeting
BIM-Koordination

↑ Ohne BEP: jeder macht irgendwas

↑ Mit BEP: klare Spielregeln für alle

↑ → weniger Clashes, weniger Stress

✏︎ Wer schreibt / prüft den BEP?

Auftraggeber (AG) erstellt Ausgangs-BEP BIM-Koordinator pflegt & koordiniert BEP Architekt Modell ARCH TGA-Fachplaner Modell MEP Tragwerkspl. Modell STR CDE – Gemeinsame Plattform

Wer macht was?

Die klare Rollenverteilung ist das Herzstück des BEP. Jeder muss wissen, was von ihm erwartet wird.

Auftraggeber (AG / BIM-Auftraggeber)

Formuliert BIM-Ziele, erstellt Ausgangs-BEP, genehmigt finalen Realisierungs-BEP und stellt die CDE-Plattform bereit.

BIM-Koordinator

Pflegt und aktualisiert den BEP, koordiniert Modelllieferungen, führt Clash Detection durch und moderiert BIM-Meetings.

BIM-Manager

Strategische Gesamtverantwortung für BIM im Unternehmen. Definiert Standards, schult Mitarbeiter und überwacht die Umsetzung.

Fachplaner (Architektur, TGA, Tragwerk)

Erstellen und pflegen ihre Fachmodelle gemäß BEP-Vorgaben. Liefern in den vereinbarten Formaten und Terminen.

BEP nach ISO 19650

Die ISO 19650 ist die internationale Norm für das Informationsmanagement im Bauwesen mit BIM. Sie definiert den Lebenszyklus des BEP von der Ausschreibung bis zur Übergabe.

Ausschreibung: Ausgangs-BEP

AG definiert Anforderungen in Informationsanforderungen (AIR) und gibt einen ersten BEP heraus.

Angebot: Angebots-BEP

AN antwortet mit einem BEP, der zeigt wie die Anforderungen erfüllt werden. Wird Teil der Bewertung.

Vertragsschluss: Realisierungs-BEP

Gemeinsam erarbeiteter, verbindlicher BEP. Wird als Vertragsanlage festgeschrieben.

Projektverlauf: laufende Aktualisierung

Der BEP wird bei jeder neuen Leistungsphase überprüft und ggf. angepasst. Änderungen erfordern Zustimmung aller.

Übergabe: As-Built & FM-Modell

Finale Informationslieferung inkl. As-Built-Modell für Facility Management. BEP dokumentiert was geliefert wurde.

Architekt beim Planen
ISO 19650 – Teile im Überblick Teil 1 – Konzepte Grundlagen & Prinzipien Teil 2 – Lieferprozess ← hier lebt der BEP ← hier ist alles geregelt

7 Tipps für einen guten BEP

Was macht den Unterschied zwischen einem BEP, der im Schrank landet, und einem der wirklich funktioniert?

1
✍️

Konkret statt allgemein

„IFC 4 mit OpenBIM-Schema, Export über Revit IFC Exporter v24.1.0" statt „IFC-Export vorgesehen". Vage Aussagen sind wertlos.

2
👥

Alle einbinden

Der BEP wird nicht allein im Büro geschrieben – er entsteht im Dialog mit allen Beteiligten. Nur dann wird er auch gelebt.

3
🔄

Regelmäßig aktualisieren

Spätestens zu Beginn jeder Leistungsphase prüfen: Sind die Einträge noch aktuell? Ein veralteter BEP ist schlechter als keiner.

4
📐

LOD konkret definieren

Keine pauschalen „LOD 300"-Aussagen. Lieber je Bauteilkategorie und Leistungsphase in einer Tabelle. Die LOD-Matrix zahlt sich aus.

5
☁️

CDE von Anfang an

Die Plattform muss vor Projektstart stehen und getestet sein – nicht erst wenn schon drei Modelle unkontrolliert kursieren.

6
📋

Namenskonvention frühzeitig

Einigt euch auf Dateinamen, Ebenenbezeichnungen und Raumkennzeichnungen bevor 200 Dateien existieren. Nachträgliches Umbenennen kostet Tage.

7
🎯

Realistisch bleiben

Nicht jedes Projekt braucht alle BIM-Anwendungsfälle. Lieber 3 Use Cases richtig umsetzen als 10 halb – das steht auch so im BEP.

Jetzt eigenen BEP erstellen

Lade die kostenlose BEP-Vorlage herunter und starte direkt – nach ISO 19650, auf Deutsch, sofort anpassbar.

→ Der erste BEP muss nicht perfekt sein. Er muss nur existieren.